
Noch im Kindergartenalter brachte mein Vater mir das Blockflötenspiel bei. Erst viele Jahre später erfuhr ich, dass auch er erst beim Lehren selbst Blockflöte lernte. Nach den ersten uns beigebrachten Tönen spielten wir ausschließlich Duette, und zwar alles was zu kriegen war. Zur damaligen Zeit auf dem Land war es nicht einfach, entsprechende Noten zu bekommen, also spielten wir Querflötenduette, Geigenduette und ähnliches.
Später brauche die Blaskapelle in meinem Heimatort noch Klarinetten. Es fand sich auch eine alte Klarinette, die niemandem gehörte. Also ab in die Kreisstadt nach Neustrelitz zum Klarinettenunterricht. Mein Vater lernte wieder mit. Nach den ersten paar Tönen ging‘s direkt in die Blaskapelle. Ab dem Zeitpunkt wurde mein Taschengeld ordentlich aufgebessert, denn von nun an spielte ich auf Erntefesten, Frühschoppen, Dorffesten, Faschingsveranstaltungen, Rosenmontagsumzügen, 1. Mai Kundgebungen… und bekam als einziges Kind nach jedem Konzert neben der Gage noch viel Schokolade obendrauf.
Im verschlafenen Demmin in Vorpommern verbrachte ich vier musikalisch sehr prägende Jahre. Das Demminer Musikgymnasium war eine wundervolle musikalische Oase der Region. Meine Zeit dort war durchdrungen von Musik, von Gesang, Chor, Klavier, Gitarre….
Frisch in Berlin wurde ich Mitglied der Folkpunkband Mutabor. Von nun an wurde Musik nicht nur interpretiert, sondern auch Musik gemacht. Bald stellte sich heraus, dass es noch ein paar Instrumente meinerseits bedurfte. Es gab Lieder die riefen nach einem Saxophon, warum also nicht. Die Brechtsche „Seeräuberballade“ wollte ein Akkordeon, nun ja, dann eben noch das Akkordeon und etwas Gesang kam auch noch dazu. Bis heute toure ich mit Mutabor durch die Lande und bringe mich und das Publikum zum Schwitzen.
…und es ist noch lange kein Ende in Sicht.
Viele Jahre sollten vergehen bis ich wieder im Chor sang. Im größten Chor Berlins führe ich heute mit Leib und Seele große Chorsinfonik auf.
